Kurios fad
Bei Carlsen Manga erscheint, nach der jüngst veröffentlichten Reihe Shinanogawa, wieder eine Miniserie von Kazuo Kamimura. Furious Love erfüllt aber leider nicht die hohen Erwartungen, die man an den meisterhaften Mangaka stellen kann.
Kamimura hat seinen erotischen Reigen, der in der ausklingenden Edo-Zeit angelegt ist und 37 Jahre nach seiner Veröffentlichung in Japan nun auch hierzulande vorliegt, um das Leben des weltberühmten Holzschnittkünstlers Katsushika Hokusai gewoben. Der alte Meister – seinen Farbholzstich Die große Welle von Kanagawa dürfte wohl jeder kennen – hat zum Auftakt des ersten Bandes einen Schüler namens Sutehachi, eine Tochter, Suizidgedanken und Ärger mit dem Kunstbetrieb. Er weigert sich, sein Schaffen dem Mainstream anzupassen und wittert außerdem die Gefahr, dass ihm der aufstrebende Künstler Hiroshige seinen Rang abzulaufen droht.
In diesem Setting wird die Figur des alten Meisters jedoch sehr zurückhaltend thematisiert – in dem erotischen Plot muss die Präsenz des greisenhaften Künstlers der seines Schülers und Epigonen Sutehachi weichen. Diesem unbeschwerten Zeichner erotischer Bilder, der im Gegensatz zu seinem Meister kein Problem damit hat, seine Kunst dem Massengeschmack anzupassen, liegt die Frauenwelt zu Füßen. Zum Beispiel die schöne Tochter seines Mentors, die sich nie getraut hat, ihm ihre Liebe zu gestehen, und die darunter leidet, dass Sutehachis Freundin O-Shichi ständig von ihm als ihrem Mann schwärmt.
Ungenutzte Möglichkeiten
Aus dieser Konstellation ließe sich sicherlich eine Geschichte mit Tiefgang kreieren. Leider stellt sich bei der Lektüre von Furious Love keine Spannung ein. Der Grund hierfür liegt darin, dass Kamimura die Story nicht mit der nötigen Konsequenz vorantreibt. In der sprunghaften Gestaltung der Geschichte, die einen roten Faden oft vermissen lässt, wird die Handlung allzu oft durch unnötige Exkurse aufgehalten und vernachlässigt. Außerdem erfahren die Charaktere keine ausreichende Genese. Die einzelnen Protagonisten, die in ihrer Anlage zwar reichlich Potential für interessante Konflikte bieten würden, bleiben im Hin und Her der narrativen Inszenierung einfach zu flach.
Der Grund für das Unvermögen von Furious Love, seinen Leser fesseln und mitreißen zu können, liegt eventuell darin, dass Kamimura aus Respekt vor Hokusai – der Künstler ist nicht nur für seine Holzschnittarbeiten weltberühmt, sondern hat auch den Begriff des „Manga“ populär gemacht – über weite Strecken zu sehr auf Distanz bleibt. Man kann Kamimuras expressiven, oft detailverliebten Zeichenstil durchaus als Reminiszenz an die Kunst Hokusais betrachten – nicht umsonst finden Elemente von Hokusais Werken ihre Verwendung in den bemerkenswerten Bildkompositionen von Furious Love. Kaminuras unverwechselbarer Pinselstrich kann jedoch über die Mängel auf der Erzählebene des Comics nicht hinwegtrösten.
Missachtete Notwendigkeiten
Darin, dass keine zureichende Nähe zum Geschehen aufgebaut wird, ist wahrscheinlich auch die Ursache für die wankelmütige Inszenierung zu suchen. Egal, auf welche Pfade die Geschichte ihren Leser leitet, Unmittelbarkeit zum Erzählten will sich schlicht nicht einstellen. Auch zur Erotik, die ja wichtiges Element der Reihe bzw. des Bandes sein soll, wird eine auffällige Distanz bewahrt, die vor allem aufgrund einer nicht selten derb und plump wirkenden Sprache ziemlich unverständlich ist.
Vielleicht hätte es Furious Love gut getan, wenn sich Kamimura, wie auch bei Lady Snowblood und Shinanogawa, lediglich um die zeichnerische Umsetzung der Geschichte gekümmert hätte und ein Autor für die textliche Gestaltung verpflichtet worden wäre. Eventuell hat er sich auch einfach zu viel auf einmal vorgenommen – die störenden Ausflüge in unnötige Nebenhandlungen bergen Geschichtswissen und Gesellschaftskritik, Übersinnliches und Slapstickartiges, was ja auch jeweils richtig und wichtig ist und selbstverständlich seine Berechtigung hat, gerne auch als crossover. Wenn die eigentliche Handlung jedoch stets im Hintergrund verharrt, bleibt die Dramaturgie unvermeidlich auf der Strecke. Und genau daran krankt Furious Love – zumindest dieser erste Band der dreibändigen Reihe.
In diesem Setting wird die Figur des alten Meisters jedoch sehr zurückhaltend thematisiert – in dem erotischen Plot muss die Präsenz des greisenhaften Künstlers der seines Schülers und Epigonen Sutehachi weichen. Diesem unbeschwerten Zeichner erotischer Bilder, der im Gegensatz zu seinem Meister kein Problem damit hat, seine Kunst dem Massengeschmack anzupassen, liegt die Frauenwelt zu Füßen. Zum Beispiel die schöne Tochter seines Mentors, die sich nie getraut hat, ihm ihre Liebe zu gestehen, und die darunter leidet, dass Sutehachis Freundin O-Shichi ständig von ihm als ihrem Mann schwärmt.
Ungenutzte Möglichkeiten
Aus dieser Konstellation ließe sich sicherlich eine Geschichte mit Tiefgang kreieren. Leider stellt sich bei der Lektüre von Furious Love keine Spannung ein. Der Grund hierfür liegt darin, dass Kamimura die Story nicht mit der nötigen Konsequenz vorantreibt. In der sprunghaften Gestaltung der Geschichte, die einen roten Faden oft vermissen lässt, wird die Handlung allzu oft durch unnötige Exkurse aufgehalten und vernachlässigt. Außerdem erfahren die Charaktere keine ausreichende Genese. Die einzelnen Protagonisten, die in ihrer Anlage zwar reichlich Potential für interessante Konflikte bieten würden, bleiben im Hin und Her der narrativen Inszenierung einfach zu flach.
Der Grund für das Unvermögen von Furious Love, seinen Leser fesseln und mitreißen zu können, liegt eventuell darin, dass Kamimura aus Respekt vor Hokusai – der Künstler ist nicht nur für seine Holzschnittarbeiten weltberühmt, sondern hat auch den Begriff des „Manga“ populär gemacht – über weite Strecken zu sehr auf Distanz bleibt. Man kann Kamimuras expressiven, oft detailverliebten Zeichenstil durchaus als Reminiszenz an die Kunst Hokusais betrachten – nicht umsonst finden Elemente von Hokusais Werken ihre Verwendung in den bemerkenswerten Bildkompositionen von Furious Love. Kaminuras unverwechselbarer Pinselstrich kann jedoch über die Mängel auf der Erzählebene des Comics nicht hinwegtrösten.
Missachtete Notwendigkeiten
Darin, dass keine zureichende Nähe zum Geschehen aufgebaut wird, ist wahrscheinlich auch die Ursache für die wankelmütige Inszenierung zu suchen. Egal, auf welche Pfade die Geschichte ihren Leser leitet, Unmittelbarkeit zum Erzählten will sich schlicht nicht einstellen. Auch zur Erotik, die ja wichtiges Element der Reihe bzw. des Bandes sein soll, wird eine auffällige Distanz bewahrt, die vor allem aufgrund einer nicht selten derb und plump wirkenden Sprache ziemlich unverständlich ist.
Vielleicht hätte es Furious Love gut getan, wenn sich Kamimura, wie auch bei Lady Snowblood und Shinanogawa, lediglich um die zeichnerische Umsetzung der Geschichte gekümmert hätte und ein Autor für die textliche Gestaltung verpflichtet worden wäre. Eventuell hat er sich auch einfach zu viel auf einmal vorgenommen – die störenden Ausflüge in unnötige Nebenhandlungen bergen Geschichtswissen und Gesellschaftskritik, Übersinnliches und Slapstickartiges, was ja auch jeweils richtig und wichtig ist und selbstverständlich seine Berechtigung hat, gerne auch als crossover. Wenn die eigentliche Handlung jedoch stets im Hintergrund verharrt, bleibt die Dramaturgie unvermeidlich auf der Strecke. Und genau daran krankt Furious Love – zumindest dieser erste Band der dreibändigen Reihe.
Titelangaben:
Carlsen, Hamburg 2010.
360 Seiten. 14,90 Euro.

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