Allein in der Mafia
Die neapolitanische Mafia ist als Thema ein berechenbarer Aufreger, Homosexualität in Mafiakreisen ein handfester Skandal – und Der Frevel am Altar der Heiligen Klara, der sich diesem Thema widmet, ein toller Comic.
Giovanni ist der Sohn des Paten Don Antonio Acqua Storta. Er erledigt kleinere Aufgaben für den Clan. Zum Beispiel das Ausbringen der Lohntüten. Bei diesen allmonatlichen Rundgängen wird er von Salvatore begleitet, mit dem er nach getaner Arbeit regelmäßig die Klippen von Mergellina aufsucht, einem Ort, der unkomplizierten Sex jeglicher Art verspricht.
Der junge Mafioso weiß, dass er vor allem deswegen respektiert und gefürchtet ist, weil er der Sohn des Dons ist, und nicht in erster Linie wegen der Morde und den Folterungen, die er manchmal begeht oder in Auftrag gibt. Er weiß aber auch, dass er verflucht aufpassen muss – immerhin begeht er mit Salvatore regelmäßig Frevel am Altar der Heiligen Klara, was bedeutet, dass er sich seinen homosexuellen Neigungen hingibt. Dies ist der Grund, warum er sich und seinen Freund mit Maulwürfen vergleicht, die auf spitze Ohren angewiesen sind. Er muss auf der Hut sein, denn schwul zu sein bedeutet schwach zu sein – und Schwäche wird in den Kreisen, in denen er sich bewegt, nicht geduldet.
Der Comic, übrigens eine Adaption des Romans Der Verstoß von L.R. Carrino, fokussiert kaum mehr als seine Hauptfigur. Alle Hintergründe und Nebenfiguren, die der Erzählung zugrunde liegen, bleiben stets nur vage angedeutet. Dass diese erzählerische Reduktion funktioniert, verdankt diese Graphic Novel hauptsächlich den expressiven Zeichnungen von Maria Pia Cinque alias MP5. Den holzschnittartigen Bildern, mit denen sie den Band gestaltet hat, wohnt praktisch keine räumliche Tiefe inne, wodurch alles sehr künstlerisch und abstrahiert wirkt und das Szenario entsprechend zeitlos erscheint. Gleichzeitig geben Körperhaltung und Mimik der einzelnen Figuren enorm viel von deren Innenleben preis. Der Frevel am Altar der Heiligen Klara ist ein Comic, der weite Strecken von seinem Inhalt über Bilder und Bildsprache transportiert.
In Rückblenden weicht MP5 manchmal von ihrem Zeichenstil ab. Die geschilderten Erinnerungen erscheinen dann fast realer als die eigentliche Handlung. Aber auch in diesen Bildern sind alle Figuren von festen schwarzen Konturen eingefangen, ganz wie im Griff der strengen Hierarchie der Camorra.
Hin und wieder erhält die Erzählung bildhafte Züge, sowohl zeichnerisch als auch narrativ: auf der graphischen Seite, wenn Don Antonios kaltblütige Worte von kaltblütigen Reptilien begleitet werden, und auf erzählerischer Seite, wenn sich Giovanni und Salvatore, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Todgeweihte sind, sich im Beinhaus des Friedhofs nahe kommen.
Alles in allem zieht Der Frevel am Altar der Heiligen Klara seine Stärke aus einem ungewöhnlichen Sujet, dass durch künstlerische Reduktion und Verdichtung und der Verschränkung von leiser Lakonie und bitterer Dramatik eine gewaltige Sogwirkung erzielt. Wie bei jeder Gangsterstory ist das Ende zwar recht absehbar – wie jede gute Gangsterstory weiß aber auch dieser Comic bis zum Schluss zu fesseln.
Der junge Mafioso weiß, dass er vor allem deswegen respektiert und gefürchtet ist, weil er der Sohn des Dons ist, und nicht in erster Linie wegen der Morde und den Folterungen, die er manchmal begeht oder in Auftrag gibt. Er weiß aber auch, dass er verflucht aufpassen muss – immerhin begeht er mit Salvatore regelmäßig Frevel am Altar der Heiligen Klara, was bedeutet, dass er sich seinen homosexuellen Neigungen hingibt. Dies ist der Grund, warum er sich und seinen Freund mit Maulwürfen vergleicht, die auf spitze Ohren angewiesen sind. Er muss auf der Hut sein, denn schwul zu sein bedeutet schwach zu sein – und Schwäche wird in den Kreisen, in denen er sich bewegt, nicht geduldet.
In Rückblenden weicht MP5 manchmal von ihrem Zeichenstil ab. Die geschilderten Erinnerungen erscheinen dann fast realer als die eigentliche Handlung. Aber auch in diesen Bildern sind alle Figuren von festen schwarzen Konturen eingefangen, ganz wie im Griff der strengen Hierarchie der Camorra.
Hin und wieder erhält die Erzählung bildhafte Züge, sowohl zeichnerisch als auch narrativ: auf der graphischen Seite, wenn Don Antonios kaltblütige Worte von kaltblütigen Reptilien begleitet werden, und auf erzählerischer Seite, wenn sich Giovanni und Salvatore, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Todgeweihte sind, sich im Beinhaus des Friedhofs nahe kommen.
Alles in allem zieht Der Frevel am Altar der Heiligen Klara seine Stärke aus einem ungewöhnlichen Sujet, dass durch künstlerische Reduktion und Verdichtung und der Verschränkung von leiser Lakonie und bitterer Dramatik eine gewaltige Sogwirkung erzielt. Wie bei jeder Gangsterstory ist das Ende zwar recht absehbar – wie jede gute Gangsterstory weiß aber auch dieser Comic bis zum Schluss zu fesseln.
Titelangaben:
Valerio Bindi (Text)/MP5 (Zeichnungen): Der Frevel am Altar der Heiligen Klara (Acqua Storta). Aus dem Italienischen von Resel Rebiersch.
Hamburg: Schreiber & Leser 2012.
181 Seiten. 18,80 Euro

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