Dienstag, 7. Januar 2014

Interview mit Parov Stelar

Parov Stelar hat mit seiner Band die Posthalle Würzburg heimgesucht. Für FRIZZ Das Magazin für Würzburg habe ich den Linzer vorab in Beschlag genommen.





Die Initialzündung deiner Karriere war der Moment, als du eine alte Swing-Platte deines Vaters hast laufen lassen, die einen Kratzer hatte, wodurch sich ein Loop ständig wiederholte. Ist dein Erfolgsrezept womöglich ein Zufallsprodukt?

Vielleicht kann man das sagen. Das ist aber ein normaler Prozess. Wenn man in die Geschichte zurückblickt, erkennt man, dass die besten Dinge oft zufällig passieren – egal, ob es um Musik, Mode, Design oder sonst was geht.

Dein neues Album heißt The Art Of Sampling. Welche Sample-Künstler inspirieren dich?

Da gibt es viele. Zumal man in der heutigen Musikbranche Sampling gar nicht mehr wegdenken kann. Aber Fatboy Slim ist z.B. jemand, der Sampling zu einer Königsdisziplin erhoben hat. Mr. Scruff war für mich auch sehr wichtig.

Ich hätte schwören können, du nennst DJ Shadow…

Klar, der ist natürlich auch sehr wichtig. Oder DJ Krush.

Bist du noch jemand, der mit analogen Geräten produziert?

Nein, das war ich aber auch nie. Ich bekomme oft Anfragen von Magazinen, die einen Studiobericht machen wollen. Da sage ich immer: „Kommt ruhig vorbei, aber das ist langweilig.“ Bei mir stehen kaum Geräte rum. Ich habe einen schnellen Rechner und einen Synthesizer, den ich als Midi-Instrument benutze. Das war´s aber schon. Stattdessen lege ich Wert auf den Raum, in dem ich aufnehme und abmische. Dafür gebe ich ganz viel Geld aus

Was entgegnest du Kritikern, die in sample-basierter Musik keine künstlerische Eigenleistung erkennen?

Die sehen nicht die Abstufungen innerhalb dieser Musik, aus denen ersichtlich wird, wie kreativ jemand ist. Ich selbst sehe Sampling als Instrument. Auf diesem Instrument kann man gut oder schlecht sein, wie z.B. auch ein Pianist gut oder schlecht sein kann. Es kommt immer darauf an, was einer aus den Mitteln, die er verwendet, auch macht.

Dann gibt es sicher auch Sample-Quellen, die du als ausgelutscht betrachtest.

Ja, Sampling war für mich immer mehr als nur das Verwenden einer bekannte Phrase oder Hook. Wer so vorgeht, füttert die Kritiker. Aber im Grunde kommt Sampling nicht zuerst von der Musik. Schon immer ging es darum, aus bestehenden Dingen etwas Neues zu basteln.

Für sample-basierte Musik ist die Rechtslage ja sehr bedeutsam – und auch schwierig. Vermutlich hast du als Weltstar diesbezüglich keine Probleme mehr. Oder täusche ich mich da?

Naja, da kommt es drauf an. Wenn man ganze Gesangsparts nehmen möchte, muss man die natürlich klären lassen. Bei mir kommen in einem Track teilweise bis zu 300 Spuren zusammen, von denen ich z.B. jeweils nur den Auftakt einer Note verwende. Aber klar habe ich da auch schon meine Erfahrungen gemacht. Viele Titel, die ich angefragt habe, konnte ich nicht verwenden, weil die Inhaber dann die kompletten Einnahmen kassieren wollten. Selbst, wenn es nur ein kurzes Vocal-Versatzstück gewesen wäre.

Hast du früher diese Situation vielleicht auch mal ignoriert und umgangen? Hast du mal etwas verwendet, für das du dir keine Rechte eingeholt hast?

Schon, wie eben jeder andere Künstler, der innerhalb dieses Genres beginnt. Ich war dabei aber schon immer etwas ängstlich und habe darauf geachtet, es nicht zu übertreiben. Ich habe immer nur kleine Stückchen verwendet und die dann direkt mit anderen kombiniert. So ist im Grunde auch meine Arbeitsweise entstanden – aus einer Angst heraus. Aber dadurch konnte ich etwas Neues kreieren.

Als Österreicher bewegst du dich mit deiner Musik ja in prominenter Gesellschaft: Acts wie Kruder&Dorfmeister, DJ DSL und die Sofa Surfers genießen – wie auch du – internationales Ansehen. Gibt es eine Art österreichisches Erfolgsrezept?

Oh, das weiß ich nicht. Aber so viele Riesenkarrieren findet man in Österreich nun auch nicht. Klar, die von dir Genannten sind sehr erfolgreich – und Österreich ist ein kleines Land. Aber schau doch mal nach Island: da gibt es z.B. GusGus oder Björk. Auch aus Schweden kommt erstaunlich viel gutes Zeug. Ich denke mir, dass es vielleicht am Scheißwetter liegt (lacht) – aus Spanien z.B. kommt schließlich nicht so viel rüber. Da liegt man dann lieber am Strand, als sich im Studio einzuschließen.

Seit einigen Jahren bist du live mit der Parov Stelar Band unterwegs. Welche Rolle übernimmst du auf der Bühne innerhalb des Band-Gefüges?

Ich baue mithilfe Ableton Live die Loops zusammen und versuche insofern, den Computer als Instrument einzusetzen. Ich jongliere mit Sounds herum, wobei ich natürlich auch vorproduzierte Muster einbeziehe. Du ziehst deine Spuren rein, variierst und verfremdest sie und hältst gleichzeitig mit den Musikern Kontakt, um gegenseitig aufeinander reagieren zu können.

Hättest du nicht mal Lust, ein Album zu realisieren, das sich musikalisch in andere Richtungen bewegt? Wie z.B. ein Jan Delay, der solo mit Reggae und Funk am Start war und sich jetzt an ein Rock-Album machen möchte?

Das kann man nicht vergleichen. Jan Delay ist ein Motto-Künstler, und ich möchte keine Alben unter einem bestimmten Motto releasen. Und wenn man mich auf das Electroswing-Konzept festnageln will, dann ist das falsch – auf meinen Alben finden sich genügend Beispiele, die dem widersprechen. Mir geht es gar nicht so sehr um dieses Swing-Ding.

Dir geht es allgemein um Jazz.

Ja, Jazz hat für mich immer eine große Rolle gespielt. Das ist für mich die Königsdisziplin. Daher bediene ich mich da auch gerne. Aber innerhalb von Soul oder Electro sample ich ebenfalls gerne.

Feiert man dich in den Südstaaten der USA, der Wiege des Jazz, eigentlich ähnlich euphorisch wie hier?

Da erkennt man kaum Unterschiede, das hat mich selbst sehr überrascht. Letztes Jahr im Dezember war ich in den USA auf Tour. Die einzelnen Termine waren praktisch komplett ausverkauft, selbst größere Hallen. Wenn man in den Staaten aber richtig Fuß fassen will, dann muss man dort eine Ochsentour hinlegen, die Clubs abklappern, Interviews geben usw. Von daher war es schon erstaunlich, welchen Hype wir erzeugen konnten. Das war wirklich beeindruckend.

Nach deinen ersten Veröffentlichungen hast du mit Etage Noir Recordings ein eigenes Label gegründet, auf dem du deine Sachen rausbringst – auch, wenn du inzwischen einen Vertriebsdeal mit einem Majorlabel hast. Nutzt du dein Label noch, um unbekannte Acts zu unterstützen?

Ja, momentan z.B. die La Rochelle Band. Bei denen geht´s gerade international auch gut bergauf. Außerdem kommt Lilja Bloom, die seit der ersten Stunde Sängerin der Parov Stelar Band ist, bald mit ihrem ersten Album raus. Bei uns tut sich was.

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